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30: Zum Fest bring ich euch frohe Kunde(n)

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  • 30: Zum Fest bring ich euch frohe Kunde(n)

    30:
    Es ist soweit, die Weihnachtsglocken
    Ertönen laut durch Wald und Tal.
    Ich hör sie, ja ich hör sie läuten
    Um mich herum und überall.

    Gefüllet schon die Weihnachtssocken
    Im Kamine schimmert Feuer fahl,
    Frohlockt, frohlockt mit allen Leuten,
    Und singt mit jubeltönd' Schall!


    So stand der Weihnacksmanne staunend vor seinem Kunden, der da Laute von sich gab. Poetisch, ja recht weihnachtlich, ließ dieser dies Gedicht verlauten und ja, er bekam geschwind sein Weihnachtsgeschenk in die Hand gedrückt.
    „Ho ho ho!“, lachte der Bärtige, schwang sich auf seinen Schlitten und entschwand gen Norden, fort in die weite Welt, auch andre Menschen zu beglücken.
    Hoch oben in den kalten Lüften saust nun der Weihnacksmann dahin, von Kunde zu Kunde fliegt er alsbald, jedem sein Geschenk zu reichen, doch halt, was geschieht bei Kunde X?
    „Ah, lieber Weihnachtsmann“, spricht der, „Guter Mann, habt ihr Gaben für mich? Es friert mich so sehr, drum könnt ich Euch gebrauchen, mir ein Decklein zu schenken.“
    „Aber ja!“, spricht der edle Weihnacksmann, „Ich habe tausend Decken da. Sicher könnt Ihr eine haben. Schaut Euch nur um und nehmt Euch eilig ein Teil davon.“
    Der Kunde zögert und spricht sodenn: „Edler Herr, könnt Ihr nicht erst eine Probe geben, damit ich sehe, ob es mir gefällt? Und seht: meine Frau macht auch Decken fein, die könnt Euch guter Berater sein.“
    Dem Weihnacksmanne dünkt alsabald, dass dies ein seltsam Kunde sei. So fährt er fort in einem Ton: „So nehmt Euch Eure Decke schon!“
    Doch nein, dem Kunden widerspricht's: „Ich nehme von Euch nichts, nicht eh Ihr mir die Prob' gegeben. Und sehet, lieber Weihnacksmann, dafür dass ihr mit Decken schenket, will ich auch gnädig zu euch sein und euch den Schlitten auch abnehmen. Was sagt Ihr dazu? Nehmt die Gelegenheit doch wahr, sie wird Euch ansehen verleihen. Es ist eine Chance wie Ihr sie nie erneut erblicken werdet.“

    Der Weihnacksmann saß kurzsichtig über den Monitor gebeugt da grübelte, wie er seine Autobiographie fortsetzen könnte. Er befand sich gerade auf der langweiligen interstellaren Reise von Beteigeuze zurück zur Erde in seinem atomar betriebenen Rentier-… Verzeihung… Dings… ähh… Atomschlitten und er wusste, dass NORAD ihn auf dem Schirm hatte. Das kümmerte den wackeren Gesellen jedoch nicht weiter, viel wichtiger war, dass ihm endlich die richtigen Worte einfielen, um seinen Lehrlingen eine knackige Autobiographie vorlegen zu können, aus der diese eine Menge lernen konnten. Die Reise befand sich gerade an ihrem kritischem Punkt, nämlich dem geistigen Tief der beförderten Personen, deren Anzahl sich in diesem Falle auf eine beschränken ließ und die war der Weihnacksmann. Ja, seine Laune befand sich in diesem Moment proportional zum Dingschlitten in steilem Sinkflug. Es wollte ihm partout nichts einfallen und das Kapitel, das er gerade verfasste war auch ein sehr heikles und behandelte die Kommunikation von Kunde und König… nein, Kunde und Weihnacksmann.
    Der Weihnacksmann wurde langsam nervös und in seinem Kopf wirbelte alles durcheinander. Kein gescheiter Satz wollte ihm mehr einfallen. Darüberhinaus hatte er noch mit widrigen Umständen seines Umfeldes zu kämpfen, die sich aus den physikalischen Gegebenheiten der Raumfahrt ergaben. Allmählich forderte die Schwerelosigkeit ihren Tribut und der Weihnacksmann füllte die Glocke, unter der er sich befand.
    „Au wei“, dachte er, „und ich soll heute noch Geschenke verteilen.“
    Was sollte er nur schreiben? Er erinnerte sich dumpf an eine Begegnung, die er in einem Spielzeugladen hatte, aber das erschien ihm nicht bedeutend genug, als dass er diese aufnehmen wollte. Aber ja! Nun fiel es ihm ein. Der Weihnacksmann verrenkte sich auf seinem Sitz, stöhnte mehrere Male, wie alte Männer wie er es des Öfteren taten, verlor das Gleichgewicht und tauchte triumphierend wieder auf. Er hatte den Stift zu seinem Tablet-PC wiedergefunden. Nun begann er von seiner einzigartigen Begegnung mit dem Kunden aus der Hölle zu schreiben. Genaugenommen waren es mehrere und er war nicht das einzige Opfer gewesen, aber sei es drum.
    Ja, das war gerade nach seinem Geschmack und an dieser Stelle schloss der Weihnacksmann ausnahmsweise einmal von sich auch auf andere. Als er fertig war mit Schreiben wischte er sich den Schweiß von der Stirn und von der Touch-Oberfläche und lächelte. Was er da in schmieriger Handschrift fabriziert hatte, erinnerte ihn doch sehr stark an diverse Kunden in diversen Restaurants, Videotheken und Friseursalons, die mittlerweile einen ähnlichen Bekanntheitsgrad erreicht hatten wie er selbst.
    Nicht selten hatte er es erlebt, dass gewisse Unternehmungen den Kunden in ihre Heimat folgten und ein schmunzeln glitt über seine Lippen und sein Bart (da sich just in diesem Moment der Kleber löste, der über Jahre gehalten hatte) über seine Knie in den matschigen Fußraum. Der Weihnacksmann grummelte etwas sogar für ihn selbst Unverständliches und setze sich sein Markenzeichen wieder an.
    Der Schlitten rumpelte und pumpelte und plötzlich hatte der Weihnacksmann das dringende Bedürfnis, seinen eingeklemmten Bauch und seinen verdrehten Nacken wieder zu richten. Er war auf der Erde angekommen. Mehr schlecht als recht, aber er war da. Mit einigem Kraftaufwand öffnete er das enge Gehäuse seines Schlittens und kugelte hinaus ins Freie. Der Schlitten steckte senkrecht im Sand der Wüste Nevadas. Etwas unbeholfen kramte er in seinen Taschen und beförderte letztendlich seinen aufblasbaren Rentierschlitten (mit eingebauter 135 Megapixelkamera und zu kleinem Sensor für verrauschte Luftaufnahmen) ans Tageslicht und füllte ihn mit Luft. Das Ventil war etwas schwergängig, aber das Modell war auch ein Schnäppchen gewesen, weshalb der schon bald japsende Weihnacksmann sich nicht weiter beschwerte.
    Wenig später befand er sich bereits auf dem Weg in den hohen Norden. Sein Herz öffnete sich weit, als er den ersten Schnee sah. Allmählich wurde es ihm aber kalt an der Brust und er machte das Herz wieder zu.
    Jetzt musste er seinen Text noch beenden. Er holte die Sachen aus seiner Tasche und schrieb hastig noch einige Ratschläge aus dem großen kollektiven Erfahrungsschatz, der Clientcopia, ab und wollte den Tablet-PC gerade ausmachen, als ihm eine gute Fee um die Nase schwirrte und ihm ganz schwindlig wurde.
    „Weihnacksmann, lieber Weihnacksmann“, säuselte das liebreizende verwunschene Wesen, „dein Bericht ist noch nicht fertig. Es fehlt an Neutralität.“
    Wieder brummte der Bärtige etwas, nickte und die Fee entschwand zur Kaffeepause.
    Er hatte es geahnt. Natürlich war auch die Expertenseite nicht immer unfehlbar und so nahm er noch ein Gegenbeispiel und eine Galerie eindrucksvoll und präzise den Sachverhalt beschreibender Symbolfotos auf, ehe er seinen PC endgültig in seiner ausgeleierten Tasche verstaute.
    Er landete auf dem Gelände der Nordweih24 GmbH und ließ sich von seinen Wichteln das Gepäck abnehmen. Anschließend setzte er sich in sein Büro und genoss ein Fußbad.
    „Ja“, dachte er, „zum Feste was Heiteres“, und gab seiner Sekretärin die Aufgabe, aus dem Manuskript rechtzeitig bis zum Abend eine geschenkreife gebundene Ausgabe zu machen, bevor er sich ein wenig Kaffee über seinen Zucker goss und das knirschende Getränk genüsslich zwischen seinen Zähnen zerkaute. Nun konnte Weihnachten kommen.
    Als es dunkel und das Wasser in der Wanne allmählich kalt wurde, zerbrach er den Klotz an seinen Füßen an der Wannenwand, schüttelte sich das Eis aus dem Bart, drehte die Heizung etwas hoch und verließ den Raum, um in den voll beladenen Schlitten zu steigen, der schon abfahrtbereit vor dem Gebäude parkte.
    „Ho ho ho!“, lachte er und entstieg in die sternenklare Nacht zu seiner Reise um die Welt.


    Und damit möchten auch der Nikolaus, der uns so treue Dienste geleistet hat, und wir, das Moderatorenteam von PHP.de, euch, die liebe Leserschaft und Community, mit herzlichen und weihnachtlichen Wünschen in die Festtage entlassen.

    Ein frohes Fest, gemütliches Beisammensein und schöne Weihnachtstage

    wünscht
    Das PHP.de-Moderatorenteam

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