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25: Missverstanden

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  • 25: Missverstanden

    25:
    Sie standen mitten in seinem Arbeitszimmer und stellten die Wohnung von Grund auf auf den Kopf. Der Weihnacksmann stöhnte und sammelte gerade noch die Weihnachtsgeschenke für die Polizisten zusammen, die überall herumwuselten, und versteckte sie auf der Toilette. Sie sollten schließlich nicht im Vorfeld schon erfahren, was sie zu Weihnachten bekämen.
    Ein etwas dicklicher Mann mit Schnauzer und Brille kam gerade schnaufend aus dem Keller und verkündete lautstark: „Männer, nie so viel Spielzeug gesehen!“
    Etwas rüpelhaft verhörten die Beamten schließlich den Oberwichtel und den Weihnachtsmann selbst. Sie fragten tausend Sachen wie „Wie heißen Sie?“ ,„Woher kommen Sie?“, „Was haben Sie zu verbergen?“ und „Warum versenden Sie täglich Millionen von Spammails?“
    „Spa…spa…spammails?“, stotterte der Weihnacksmmann. „Ich wüsste nicht, dass ich das getan habe.“
    „Natürlich haben Sie das getan!“, schnauzte ihn der Beamte an, „Ihr Mailserver steht sogar schon auf diversen Spamlisten.“
    Darauf wusste der Weihnacksmann nichts zu antworten

    Nachdem den Beamten die Fragen ausgegangen waren, der milchbubengesichtige Azubi in der Ecke seinen Finger weider aus den Untiefen seiner riesigen Nase herausgezogen hatte und sämtliche Computer beschlagnahmt worden waren, zog die Durchsuchungskolonne ab und der Obewichtel und der Weihnacksmann schauten sich an, als sähen sie sich zum ersten Mal.
    „Puuhhh…“, sagte der Weihnacksmann.
    „Puuhhh…“, sagte der Oberwichtel.
    Mehr hatten sie zunächst nicht zu sagen. Stattdessen trommelten sie die restlichen Weihnacksmannhelfer zusammen und kramten die alten PCs aus dem Lager hervor und begannen gemeinschaftlich zu recherchieren, was die Ursache für den unerwünschten Spamversand war. Doch sie konnten nichts finden. Keine versteckten Skripte, keine unerwünschten Programme, auch der Netzwerkverkehr schien in Ordnung.

    Plötzlich winkte ein Wichtel vom andere Ende des Raumes zu Weihnacksmann zu sich. Er hatte den Grund gefunden. Eine Bounce-Mail auf eine der vielen Wunschzettel-Antworten prangte im Posteingang:
    550 Rejected
    Your e-mail was rejected because it was detected as spam by one of the following spam filters:
    - spam.vom-weihnachtsmann.invalid
    Your SMTP server is now blacklisted.

    This was your message:
    > Lieber Kalle,
    > dein Wunschzettel ist bei uns angekommen und wir haben das PDF bei
    > uns gespeichert, um dir deine Wünsche zu erfüllen. Welche wir genau
    > erfüllen, verraten wir natürlich nicht. Der Weihnacksmann kommt aber
    > ganz bestimmt zu dir.
    >
    > Eine schöne Adventszeit
    > Wichtel 143, Nordweih24 GmbH
    > Internet: Der-Weihnachtsmann-am-Nordpol.org
    Zunächst staunte der Weihnacksmann die Mail mit kalbsgroßen Augen an, dann begann er zu verstehen. Vielleicht war die Idee, die Mails über das Tracking-System mit mail() ohne weitere Angaben zu versenden, doch nicht so hervorragend gewesen. Er hatte also keinen Spam versandt, sondern lediglich Millionen legitimer Mails, die als Spam missverstanden wurden.
    Das musste geändert werden. Sofort setzte der Weihnacksmann sich an die Arbeit und machte die Mails zunächst mithilfe einer Mailerklasse RFC-konform und entfernte darüberhinaus die nichtexistente no-reply-Adresse aus dem Absender. Viele weitere nützliche Tipps fand er auf der Seite des SwiftMailers: How to (legitimately) minimize being seen as spam.
    Als die Arbeit fertig war, analysierte er, in welchen Blacklists sein Server gelistet war und kontaktierte deren Betreiber.
    Von nun an konnte er wieder Mails versenden, ohne unter falschen Spamverdacht zu gelangen.

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