16.09.2004, 20:50
|
|
| Gast | Nochmals danke... ich wollt ja eigentlich nicht... aber ich muss mal eure Meinung zu meinem Vortrag hören (naja, wenn ihr euch das wirklich durchlesen wollt - ich werde dann ja sehen...). Thema: "Ist de Kritik an Hartz IV gerechtfertigt?" Zitat:
Einleitung
Ich halte heute ein Referat zum Thema „Sind die Proteste gegen Hartz IV gerechtfertigt“. Um diese Frage beantworten zu können müssen wir uns erst mal klar machen, was Hartz IV bzw. das Hartz- Konzept überhaupt ist. Prof. Peter Hartz, nachdem es benannt ist, ist ein Mitglied des Vorstandes der Volkswagen AG. 2002 setzten sich 15 Leute, genannt die „Hartz-Kommission“ zusammen und erarbeiteten ein Konzept um den Arbeitsmarkt zu reformieren. Dies geschieht in 4 Stufen, 3 Stufen sind schon abgeschlossen (ihr erinnert euch vielleicht noch an die Minijobs – auch das hatte mit Hartz zu tun, genauer gesagt mit Hartz II [max. 400€ pro Monat]) in vier Stufen geschehen. Hartz IV wird am 1. Januar 2005 in Kraft treten, also in gut 3.5 Monaten. Was wird sich ändern?
Was neu ist:
- Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe werden zum Arbeitslosengeld II zusammengelegt.
- Jeder Arbeitslose muss sich von nun an um Arbeit bemühen und jede freie Stelle annehmen, solange diese legal ist.
- Laut Hart-Konzept ist jede Arbeit besser als die Arbeitslosigkeit, auch wenn man dadurch im Endeffekt weniger Geld bekommt.
- Wer jünger als 25 ist, wird sofort in ein Praktikum, eine Ausbildung, eine berufsvorbereitende Qualifizierung vermittelt und hat einen Rechtsanspruch darauf.
- Wer eine legale Arbeit ablehnt, dem wird das Arbeitslosengeld um 30% gekürzt und für Personen unter 25 eventuell sogar ganz gestrichen und durch Gutscheinleistungen ersetzt.
Bei der Durchführung von Hartz IV verlief nicht immer alles ganz sauber. Zum Beispiel folgendes: Die Einführung von Hartz IV ist sehr aufwändig und kompliziert, und deswegen werden in den Agenturen für Arbeit (so heißen ab jetzt die Arbeitsämter) neue Arbeitskräfte benötigt. Dafür waren nur Beamte aus dem Westen vorgesehen. Diese hatten derzeit keine Aufgabe und sollten für 11000 Euro Zulage („Buschzulage“) im Osten arbeiten arbeiten. Das wurde damit begründet, dass im Osten nicht genügend Beamte zur Verfügung gestanden hätten, was aber schlicht und ergreifend falsch ist, denn auch dort gab es viele qualifizierte Arbeitslose, die diese Jobs hätten erledigen können. Wolfgang Clement (Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit) hat aufgrund von Protesten dann alles rückgängig gemacht und auch Ostdeutsche dazu eingesetzt. In den Sommerferien wurde besonders heftig in so genannten „Montagsdemonstrationen“ und besonders im Osten gegen Hartz IV demonstriert. Schröder sagte dazu (der Hartz IV mittlerweile zur „Chefsache“ erklärt hat) er würde sich zu nichts mehr erweichen lassen. Hartz IV bleibt wie es ist, sonst würde er sich lächerlich machen. Aber hier nun mal einige Gründe die für bzw. gegen Hartz IV sprechen:
Gründe für Hartz IV:
- Man hat festgestellt, dass Arbeitslose ihre Bewerbungen jetzt sehr viel ernster nehmen und auch Jobs annehmen, die ihnen bisher unattraktiv erschienen.
- Durch Hartz IV sollen Sozialausgaben eingespart werden.
- Langzeitarbeitslose sollen durch die kleinen Jobs wieder in die Arbeitswelt einsteigen können, und dadurch Zusatzqualifikationen erwerben können
Gründe gegen Hartz IV:
- In keiner Weise werden neue Arbeitsplätze geschaffen. Wohin also mit den über vier Millionen Arbeitslosen?
- Man muss mit weniger Geld als zuvor auskommen (Heizung und Miete jedoch werden in „angemessenem“ Bereiche vom Staat bezahlt („angemessen“ ist nicht weiter definiert).
- Für ein oder zwei Euro die Stunde zu arbeiten ist viel zu wenig (1€ Jobs).
- Durch all das werden Arbeitslose noch härter getroffen.
- Berechnungen haben ergeben, dass die Zahl der Arbeitsplätze nach Hartz IV sogar um 100000 senken wird, die Zahl der Arbeitslosen wird sich um ca. 400000 senken.
- Nach einer Berechnung des deutschen Kinderschutzbundes werden durch Hartz IV 500000 Kinder in die Sozialhilfe gedrängt.
- Das Hartz Konzept hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeitslosen bis Ende 2005 zu halbieren. Jedoch ist die Zahl weiter gestiegen, und die Anzahl der freien Jobs weiter gesunken.
- Ab nun kann man nicht mehr hinzuverdienen als bisher in der Sozialhilfe. Bei einem 400-Euro-Job dürfen 60 Euro behalten werden. Und bei 900 Euro im Monat sind es ca. 210 Euro.
- Verlierer von Hartz IV sind alle Arbeitslosen, die vorher zu den Gutverdienenden gehört haben und jahrelang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Denn schon nach einem Jahr rutschen sie - abgefedert durch so genannte Übergangszahlungen - auf Sozialhilfeniveau ab. Hätten Sie das Geld, das sie in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, privat angelegt, würden sie vermutlich finanziell besser dastehen.
- Um Leistungen von der Bundesagentur für Arbeit zu erhalten, müssen sich die Antragsteller durch bis zu 16 Seiten Formulare kämpfen.
Am ersten Oktober 2004 beginnt die Testphase für die 1€ Jobs. In ganz Deutschland sollen 50000 1€ Jobs geschaffen werden, zunächst nur für Jugendliche, die länger als ein halbes Jahr arbeitslos waren. Das Prinzip von Hartz IV ist Fördern (Unterstützen der Arbeitslosen) und Fordern (jeder muss eine Arbeit annehmen). Allerdings wird mehr gefordert, und weniger gefördert, was wiederum gegen Hartz IV stimmt. Der Kerngedanke kommt übrigens aus Skandinavien – dort wird ein ähnliches System bereits praktiziert.
Fazit:
Meiner Meinung nach ist Hartz IV eine gute Idee, allerdings ist diese zu schlecht umgesetzt. Wenn das entsprechend geändert werden würde, wären viel mehr Menschen damit zufrieden. Deutschland versucht sich nun dadurch aus dem Schuldensumpf zu ziehen, auf Kosten der Arbeitslosen. Daher halte ich die Kritik an Hartz IV für voll gerechtfertigt.
| Natürlich wird das alles frei vorgetragen, bzw. mit wenigen Stichpunkten... |
|
| |