Thema: Netzfilter
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Alt 25.06.2009, 20:18  
Manko10
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Jetzt muss ich mal Zensursula-Argumente auseinandernehmen. Arroganter ging es ja wohl nicht.

Quelle: Netzsperren - "Ihnen ist egal, was wir denken" | ZEIT ONLINE

Zitat:
Zitat von Leyen
Denn wer kinderpornografische Bilder im Netz anklickt, der missbraucht die Kinder erneut und gibt einen Anreiz für die Produktion immer neuer Bilder.
Was ist das denn für ein Argument? Wenn ich auf eine Seite mit dokumentiertem Kindesmissbrauch gelange, dann missbrauche ich das Kind erneut? Töte ich Neda auch ein zweites Mal, wenn ich mir das schreckliche Video ihres grausamen und ungerechtfertigten Todes auf YouTube ansehe? Frau von der Leyen, sie werden beleidigend und unsachlich, auch wenn der Konsum von Leiden natürlich keine Tugend ist und vergessen Sie nicht: nicht jeder, der es ansieht, hatte vor, es zu sehen.
Auch den Anreiz bezweifle ich. Die kinderpornographischen Werke werden zunächst aus eigenem Antrieb produziert und dann ins Netz gestellt. Wenn man dann noch hohe Besucherzahlen registriert, ist das sicherlich noch ein Bonus, aber ganz bestimmt nicht der ausschlaggebende Anreiz, es erneut zu tun.

Zitat:
Zitat von Leyen
Das heißt, wenn wir den Zugang zu solchen Bildern im Netz mit technischen Mitteln sperren, tragen wir auch zur Produktionsblockade bei.
Wovon reden wir hier? Die Seiten werden in Deutschland gesperrt, weil die Seiten im Ausland liegen und Ihrer Meinung nach somit unerreichbar sind. Innerhalb von Deutschland soll aber das Löschen problemlos möglich sein (dass es anscheinend nicht getan wird, ist eine andere Sache). Die Produktion findet also im Ausland statt, was bedeutet, dass die Zielgruppe international ist. Wenn nun einige technisch nicht versierte deutsche Nutzer daran gehindert werden, dieses Material anzusehen, wieso sollte es dann den internationalen »Markt« zum Erliegen bringen? Sie widersprechen hier Ihren eigenen Argumenten!

Zitat:
Zitat von Leyen
Die genaue Recherche zeigt, dass diese Listen oft schon alt waren und völlig überholt.
Zitat:
Zitat von Leyen
Das ist kein wirkliches Argument.
Genau!
Es gibt keine Garantie, dass die Seiten auf den aktuellen Listen nicht mehr vorhanden sind und viele der auf den Listen befindlichen Seiten sind bestimmt älter als die Liste. Prüfen kann ich dies zwar nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass plötzliche alle von kinderpornographischem Material befreiten Domains neue Besitzer bekommen haben.

Zitat:
Zitat von Leyen
Aber wir sagen ja auch nicht: Wir machen in den Schulen erst dann Drogenprävention, wenn es keine Mohnfelder in Afghanistan mehr gibt.
Wofür soll das jetzt ein Argument sein? Ich verstehe den Zusammenhang nicht.

Zitat:
Zitat von Leyen
In einem Buchladen darf auch kein Bildband mit kinderpornografischem Material herumliegen. Das ist ganz selbstverständlich akzeptiert. Niemand schreit „Zensur“, wenn ein solcher Bildband nicht ausliegen darf.
Zitat:
Zitat von Heine
Nein, Sie tun etwas anderes. Sie wollen, um bei Ihrem Bild zu bleiben, bloß ein weißes Blatt Papier über das Kinderporno-Buch legen, statt es aus dem Laden zu entfernen.
Oder eben ein Stoppschild.

Zitat:
Zitat von Leyen
Die skandinavischen Länder würden etliche Jahre nach Beginn der Sperren nicht immer noch Zehntausende Zugriffe pro Tag blocken, wenn alles so einfach wäre.
Super Argument und ausnahmslos alle, die jemals auf php.de gelangt sind, sind bestimmt auch sämtlich begabte Programmierer. Nein mal im Ernst: haben Sie Statistiken, wie viele dieser Zugriffe wirklich von Pädophilen stammen und wie viele von denen die Sperre umgangen haben, nachdem ihnen der Zugriff verweigert wurde?

Zitat:
Zitat von Leyen
Wer die Stoppseite zu umgehen versucht, macht sich bewusst strafbar, weil er dann aktiv nach Kinderpornografie sucht.
Die willentliche Aneignung von Kinderpornographie ist aber nicht erst seit dem ZugErschG strafbar.

Zitat:
Zitat von Leyen
Die Technik der Zugangssperren führt dazu, dass wir jetzt erstmals systematisch kinderpornografische Websites identifizieren
Und ohne Sperren ist es nicht möglich, systematisch kinderpornografische Websites zu identifizieren? Ich wusste es ja immer schon: das BKA hat keine Ahnung von Technik.

Zitat:
Zitat von Leyen
[…]dass in Norwegen am Tag rund 15.000 Klicks auf diese Seiten geblockt werden; in Schweden sind es rund 50.000 Klicks. Ich glaube, es ist eine müßige Diskussion, hier zu behaupten, es gäbe keinen Bedarf, Kinderpornografie im Internet zu bekämpfen.
S. o.

Zitat:
Zitat von Leyen
Aber diejenigen, die in den vergangenen Jahrzehnten oder Jahrhunderten um die Freiheit von Zensur gekämpft haben, taten das, weil sie anders als die Obrigkeit dachten
Und wir denken nicht anders, nur weil wir auch der Meinung sind, das Kinderpornographie ein Verbrechen ist? Wenn wir genauso dächten wie Sie, dann gäbe es die Diskussion nicht.

Zitat:
Zitat von Leyen
Aber niemals, damit Bilder von Gewalt oder Kinderpornografie verbreitet werden können.
Bitte, Sie sind nicht Herr von und zu Guttenberg, Sie müssen uns jetzt nicht auch noch unterstellen, für Kinderpornographie zu sein (wobei Sie das mit Ihrer 20%-Theorie ja schon gemacht haben, fällt mir da ein).

Zitat:
Zitat von Leyen
Das Gremium kann jederzeit auf Basis von Stichproben beim BKA die Liste prüfen
Was soll das denn heißen? Das BKA gibt Stichproben raus, die besichtigt werden dürfen?

Zitat:
Zitat von Leyen
Die Gefahr, dass das bloße Betrachten von Kinderpornobildern irgendwann in realen Missbrauch mündet, ist besonders bei älteren Nutzern dieser Angebote gegeben.
Die Wirkung von Kinderpornos als Anfixdroge ist wissenschaftlich immer noch umstritten. Ich selbst bezweifle sie auch. Außerdem bekommen Pädophile auch anderswo Kinder und vielleicht sogar nackte Kinder zu Gesicht (insbesondere, wenn sie selbst welche haben). Da braucht es keine Bilder aus dem Netz.

Zitat:
Zitat von Leyen
Aus der Bundestagsanhörung wissen wir: 80 Prozent derjenigen, die bei solchen Bildern Neugierde und Lust empfinden anstatt Ekel und Abscheu, bewegen sich erst einmal im allgemeinen Feld der Internet-Pädophilie, aber 20 Prozent werden dann zu schwer Pädokriminellen.
Ah ja, interessante Abwandlung der Theorie mit den 16,4 Mio. pädophilen Bundesbürgern. Jetzt werden Prozente nur noch direkt auf Kinderschänder gegeben und wenn man das aus der Bundestagsanhöhrung weiß, dann muss es ja stimmen…

Zitat:
Zitat von Heine
Wenn die Kinderpornoseite, die ich unterhalte, ein Stoppschild bekommt, weiß ich, dass man mir auf den Fersen ist. Mit dem Stoppschild warnen Sie die Betreiber der Seiten. Das ist Täterschutz!
Zitat:
Zitat von Leyen
Im Gegenteil. Durch die systematische Suche, durch den internationalen Austausch und die Erstellung einer Datenbank, die die Inhalte der Seiten analysiert und vergleicht, ist die polizeiliche Arbeit der Täterverfolgung viel effizienter und systematischer.
Interessante Antwort, aber auf welche Frage? Geschickt ausgewichen, Frau von der Leyen!

Zitat:
Zitat von Heine
Das Hauptproblem bleibt - die mangelhafte Ausstattung der zuständigen Beamten.[…]
Das meine ich mit aktivem Täterschutz: Sie ermöglichen dem Täter erst das Wissen darum, dass Sie ihn verfolgen.
Zitat:
Zitat von Leyen
Das ist ein Killerargument gegen jegliche Form von Polizeiarbeit. Dann kann man die Strafverfolgung gleich einstellen.
Nö, aber besser ausstatten und vernetzen könnte man die Polizei. Das geht auch ganz ohne neue Gesetze.

Zitat:
Zitat von ZEIT ONLINE
Frau von der Leyen, stimmt der Vorwurf, dass die Politik die Argumente gegen die Netzsperren nicht wahrnimmt?
Zitat:
Zitat von Leyen
Nein, im Gegenteil. Der Prozess ist ausgesprochen positiv.
Davon hat niemand etwas gemerkt. Macht mal das Fenster auf, dann können wir Unions-Outsider auch mal mithören.

Zitat:
Zitat von Leyen
Ich kann das Gefühl schon nachvollziehen, aber eine Onlinepetition ist mit einem Klick unterschrieben ...
Und eine Briefpetition mit einer Unterschrift. Beides aber mit vollem Namen. Man steht also mit seiner Identität fest und öffentlich hinter der Stimme. Aber Sie nehmen die Vorwürfe des Volkes ja wahr, nicht wahr, Frau von der Leyen? Da kann man so eine Petitionsmitzeichnung auch mal für unwichtig erklären. Sind ja nur Bürger.

Wir sollten wirklich mal eine Petition für ein Gesetz um den Wahrheitsgehalt von Politikeraussagen einreichen. Aber die würde ja wieder nur ignoriert.
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Geändert von Manko10 (25.06.2009 um 20:37 Uhr).
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